Donnerstag, 23.03.2017

Eine gute pflegerische Versorgung sichern – auch nach dem Krankenhausaufenthalt.

Workshop: „Zusammenarbeit Nachstationäre Einrichtung“ im St. Joseph-Stift Bremen: 30 Pflege-Experten diskutierten Verbesserungen.

Sie organisierten den Workshop im St. Joseph-Stift (v.l.): Carsten Ludwig, Pflegedirektor, Antje Eekhoff, stellvertretende Pflegedirektorin, Hardy Schulze-Winkelmann, Stabsstelle Pflegedokumentation, und Anika Schilder vom Qualitätsverbund Geriatrie Nord-West-Deutschland.

Antje Eekhoff (r.) stellte den Teilnehmern auch den Physiotherapieraum im Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation des St. Joseph-Stift vor.

„Versorgungsbruch“ lautet der Fachbegriff in der Sprache des Gesundheitswesens. Gemeint ist: Nach einem stationären Krankenhaus-Aufenthalt kommt es zu Defiziten bei der anschließenden pflegerischen Betreuung – insbesondere von älteren Patienten, die in Seniorenheimen leben oder von ambulanten Pflegediensten versorgt werden. Gründe dafür, dass es an dieser Schnittstelle hakt, gibt es viele: Oft haben sie mit unzureichender Abstimmung oder einer unvollständigen Informationslage zu tun. Das Problem ist in ganz Deutschland bekannt und gefürchtet.

Die Situation in und um Bremen, bestehende Probleme und vor allem Verbesserungsmöglichkeiten standen im Mittelpunkt eines ganztägigen Workshops im Krankenhaus St. Joseph-Stift. 30 pflegerische Leitungskräfte aus der Hansestadt waren dort zusammengekommen – aus Senioreneinrichtungen in Trägerschaft etwa der Bremer Heimstiftung, Caritas und Deutschem Rotem Kreuz, von mehreren ambulanten Pflegediensten und nicht zuletzt aus dem Krankenhaus selbst. „Wir wollen Verbesserungen in der Versorgung durch mehr Kooperation und Koordination in den Gesundheitsberufen erreichen“, beschrieb Carsten Ludwig, Pflegedirektor des St. Joseph-Stifts, das Ziel des Tages.

„Lassen Sie uns miteinander ins Gespräch kommen und Probleme lösen, die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus auftreten können“, betonte auch Anika Schilder vom Qualitätsverbund Geriatrie Nord-West-Deutschland (QVG NWD). Dieser Zusammenschluss von Krankenhäusern, Seniorenheimen, Pflegediensten und weiteren Partnern arbeitet an der Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Versorgung älterer Menschen. Das Krankenhaus St. Joseph-Stift ist, wie alle Krankenhäuser in Trägerschaft der St. Franziskus-Stiftung Münster, Mitglied im QVG NWD, der den Workshop ausgerichtet hatte.

In der Bearbeitung des Themas steht man in Bremen keineswegs am Nullpunkt. „Bei vier Arbeitstreffen mit Leitungen ambulanter Pflegedienste und Altenpflegeeinrichtungen im Jahr 2016 haben wir in einer Projektgruppe bereits eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert“, so Antje Eekhoff, stellvertretende Pflegedirektorin im St. Joseph-Stift. Optimierungsbedarf habe es etwa bei der Gestaltung spezieller Formulare, der so genannten Überleitungsbögen, bei der Mitgabe von Medikamenten durch das Krankenhaus und bei der Einbeziehung von Hausärzten und Krankenhausärzten gegeben. Inzwischen seien klare Strukturen und ein genau festgelegter Informationsfluss vereinbart worden, um Schwierigkeiten zu minimieren. „So konnten wir das pflegerische Entlassmanagement spürbar verbessern“, sagte Eekhoff.

Dies wiederum trage zu einer erhöhten Versorgungsqualität und einer steigenden Patientenzufriedenheit bei, wie Hardy Schulze-Winkelmann von der Stabsstelle Pflegedokumentation des Krankenhauses ergänzte. Im St. Joseph-Stift habe man zahlreiche Stellschrauben überprüft und erforderlichenfalls nachgebessert – beispielsweise pflegerische Entlassgespräche, die engere Einbeziehung des Sozialdienstes, die frühzeitige Information von Angehörigen und Bezugspersonen oder die Organisation des Transports. Nicht zuletzt bietet das St. Joseph-Stift auch Fortbildungen für externe Kooperationspartner an.

In zwei Workshop-Einheiten bearbeiteten die Teilnehmer anschließend konkrete Herausforderungen und Problemlagen an den Schnittstellen zwischen Ambulanten Pflegediensten und dem Krankenhaus sowie den Altenpflegeeinrichtungen und dem Krankenhaus. Dabei wurde unterschieden zwischen Fragen, die im direkten Austausch geklärt werden können, und Fragen, bei denen die Einschaltung einer übergeordneten Leitungsebene oder die Unterstützung durch eine externe Stelle erforderlich sind. So gehört der Arbeitsgruppe auch eine Mitarbeiterin des Bremer Senats an. „Eine gut strukturierte Entlassung aus dem Krankenhaus minimiert das Risiko von poststationären Versorgungsbrüchen wesentlich“, so das Resümee im Plenum.

Den Abschluss des Tages bildete eine Führung durch das Krankenhaus St. Joseph-Stift. Antje Eekhoff erläuterte den Teilnehmern, welchen Weg die Patienten nehmen, wenn sie über die zentrale Notaufnahme ins Haus kommen. Außerdem wurden die Geriatrischen Stationen und deren Konzept sowie deren Therapieräume und die Geriatrische Tagesklinik vorgestellt.